Wenn sich globale Macht verschiebt – eine Einordnung
- 19. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

In den vergangenen Tagen ist auffällig, dass sich mehrere der aktuell größten geopolitischen Spannungsfelder gleichzeitig neu sortieren. Venezuela, Iran, der Nahe Osten und selbst Grönland wirken auf den ersten Blick wie voneinander getrennte Krisenherde. Betrachtet man sie jedoch aus etwas größerer Distanz, entsteht das Bild einer Übergangsphase, in der alte Ordnungen nicht abrupt zusammenbrechen, sondern schrittweise umgebaut werden. Unübersichtlich, widersprüchlich und nicht immer elegant – eher wie eine Baustelle als wie ein sauberer Neustart.
Macht ohne Reset-Knopf
Gerade Venezuela zeigt dieses Muster sehr deutlich. Mit der Inhaftierung von Nicolás Maduro wurde zwar ein zentrales Symbol entfernt, doch die staatlichen Strukturen blieben im Kern erhalten. Dass Delcy Rodríguez die Amtsgeschäfte weiterführt, spricht eher für eine kontrollierte Verschiebung als für einen radikalen Umbruch.
Diese Vorgehensweise wird Donald Trump zugeschrieben, der sinngemäß darauf verwies, dass es klüger sei, funktionierende – wenn auch problematische – Strukturen zu nutzen, statt alles niederzureißen und Chaos zu ernten. In einem vergleichsweise zurückhaltenden Moment formulierte er dazu:
"Sometimes your best investments are the ones you don’t make." (D. Trump)
Das ist kein philosophischer Satz und kein diplomatisches Meisterwerk, aber er trifft einen Kern. Systeme lassen sich nicht wie Software einfach neu installieren. Wer glaubt, ein Land ließe sich per Knopfdruck „updaten“, übersieht, dass Menschen, Gewohnheiten und Machtgefüge kein Betriebssystem sind. Aus Sicht der Energiekultur ist das wenig überraschend. Verdrängte Strukturen verschwinden nicht, sie verändern nur ihre Form. Was nicht integriert wird, wirkt im Schatten weiter. Das gilt in der Politik ebenso wie im persönlichen Leben – nur dass die politischen Schatten deutlich lauter sind.
Wenn Angst das Steuer übernimmt
Im Iran zeigt sich die Kehrseite dieser Dynamik. Massive Proteste treffen auf eine extrem harte Reaktion des Regimes. Ob externe Akteure wie der Mossad involviert sind oder nicht, ist für die energetische Betrachtung fast zweitrangig. Entscheidend ist, dass ein System, das aus Angst mit Gewalt reagiert, seine eigene Stabilität untergräbt.
Angst verengt Wahrnehmung. Sie führt zu Kurzschlussreaktionen – individuell wie kollektiv. Wenn Sicherheitskräfte mit maximaler Härte agieren, mag das kurzfristig Kontrolle erzeugen, langfristig aber entsteht ein Spannungsfeld, das kaum mehr tragfähig ist. In diesem Sinne hat das iranische Regime weniger Stärke als Unsicherheit demonstriert.
Dass die USA hier lange gezögert haben, offen einzugreifen, passt zu dem Muster, das sich auch anderswo zeigt. Offene Regimewechsel gelten offenbar nicht mehr automatisch als die klügste Option. Gleichzeitig zeigt die Eskalation, wie schnell Situationen kippen können, wenn mehrere Interessen, alte Verletzungen und aktuelle Ängste aufeinandertreffen. Das ist tragisch, aber leider auch kein neues Kapitel der Geschichte, bringt es Lion Media auf den Punkt.
Grönland, Großmächte und die große Bühne
Die Diskussion um Grönland wirkt im Vergleich fast skurril, als hätte jemand das geopolitische Drehbuch kurz mit einem anderen Genre verwechselt. Militärische Drohungen, Kaufangebote, Referenden und Zollstrafen stehen nebeneinander wie Requisiten aus verschiedenen Stücken. Und doch geht es auch hier um Einfluss, Ressourcen und strategische Räume. Vielleicht liegt gerade darin eine gewisse unfreiwillige Komik. Während auf der großen Bühne mit ernster Miene über Weltordnung verhandelt wird, erinnern manche Manöver eher daran, dass auch Supermächte nur mit Wasser kochen – manchmal sehr teurem Wasser, manchmal ziemlich lauwarm.
Die leise Ebene darunter
Im Kontext von Wilkinger Energiekultur ist all das weniger Anlass zur Empörung als zur Einordnung. Je instabiler das globale Feld wird, desto wichtiger wird die innere Stabilität. Wer jede geopolitische Bewegung emotional mitvollzieht, läuft Gefahr, dauerhaft im Reaktionsmodus zu bleiben. Humor – leise, respektvoll und ohne Zynismus – kann hier helfen. Nicht um Leid zu relativieren, sondern um Distanz zu gewinnen. Ein bisschen so, wie man bei einem Sturm nicht versucht, den Wind zu stoppen, sondern schaut, ob das eigene Dach noch fest sitzt. Die Welt wird gerade neu sortiert. Das ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein Prozess. Und während auf der großen Bühne Züge gemacht werden, liegt die eigentliche Souveränität weiterhin im eigenen Lebensfeld. Wer dort für Ordnung, Erdung und Klarheit sorgt, bleibt handlungsfähig – unabhängig davon, welche Macht gerade welchen Kontinent für sich reklamiert.


























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